Probleme beim Parsen von Zeitstempeln in Java

08.02.2024

Ich habe überlegt, die begonnene GUI für Influx in ein Plugin für die sQLshell umzugestalten. Dafür muss die bestehende Implementierung noch poliert werden.

Während dieser Arbeiten bemerkte ich, dass einige der Measurements in Influx Zeitstempel aus der Zukunft aufzuweisen schienen. Bei näherer Inspektion mit dem offiziellen Kommandozeilen-Client stellte sich jedoch heraus, dass die Zeitstempel in der Datenbenk korrekt waren.

Irgendwo unterwegs wurde aus diesen korrekten Zeitstempeln die Zukunft. Irritierenderweise geschah das jedoch nicht bei allen Measurements: Einige wurden in der GUI auch korrekt dargestellt. eine nochmalige Inspektion im Kommandozeilen-Client förderte die Information zu Tage, dass die Zeitstempel in verschiedenen Formaten vorlagen: Es gab welche, die formatiert waren wie dieses Beispiel 2023-11-27T16:50:00Z und welche, die folgendes Format aufwiesen: 2023-11-27T15:51:03.510201204Z - das letztere war das Format, das die Schwierigkeiten verursachte.

Da ich ein Mensch bin, der alte Gewohnheiten schwer ablegt, parse ich die Timestamps, die mir die Influx-API als Strings liefert mit einem SimpleDateFormat. Der Formatstring dafür sieht wie folgt aus: yyyy-MM-dd'T'HH:mm:ss.SSS'Z' - Man sieht, dass ich die Millisekunden ebenfalls mit parsen möchte (SSS), um die Genauigkeit der Datenbank wenigstens annähernd in die GUI übertragen zu können.

Dieser Formatstring auf das Beispiel 2023-11-27T15:51:03.510201204Z angewendet liefert als Ergebnis Sun Dec 03 13:34:24 CET 2023 - eindeutig ein Fehler wenn man mit dem Wert aus dem Kommandozeilen-Client vergleicht. Die Abweichung ist zwar nur relativ gering, liegt aber um mehrere Tage in der Zukunft.

Nach einigem Forschen und ausführlicher Forensik fand ich den (aus meiner Sicht) nicht allzu intuitiven Mechanismus hinter dem Parsen von Timestamps mit Sub-Sekundengenauigkeit mit Javas SimpleDateFormat heraus:

Der Formatstring SSS bedeutet nicht "Nimm drei numerische Stellen und interpretiere sie als Millisekunden!". Tatsächlich bedeutet es: "Nimm alle numerischen Zeichen, die du findest und interpretiere sie als Millisekunden!". Und jetzt kommt die Auflösung der Zukunftszeitstempel: 510201204 wird nicht als 510,201204 Millisekunden verstanden, sondern als 510201204 Millisekunden - mit anderen Worten: als - schaut man nochmal auf das oben angegebene Beispiel, versteht man, warum der geparste Zeitstempel in der Zukunft lag: 100 Millionen Millisekunden ergeben etwas weniger als 6 Tage!

Interessant ist hierbei jedoch noch folgendes: Die Nutzung der neuen Klassen in Package java.time hilft dabei, das Problem zu umgehen: Benutzt man DateTimeFormatter mit dem Formatstring yyyy-MM-dd'T'HH:mm:ss.SSSSSSSSS'Z', wird das nicht funktionierende Beispiel tatsächlich korrekt als Sun Nov 26 17:21:03 CET 2023 geparst.

Dieser Formatstring funktioniert natürlich nicht mit SimpleDateFormat. Der finale Test zeigte, dass mit diesem Formatstring auch kürzere Zeitstempel wie etwa 2023-11-27T16:50:00Z erfolgreich und korrekt geparst werden können.

Das ließ nun für mich nur noch einen Schluss zu: Ich werde demnächst damit beginnen, die Klasse SimpleDateFormat langsam aus meiner Codebasis zu entfernen - und damit mir mein Rückenmark (Muskelgedächtnis) später keinen Streich spielt werden ich anschließend mittels -link 2022/archunittests.txt=ArchUnit die Benutzung dieser Klasse auf die schwarze Liste setzen.

Artikel, die hierher verlinken

InfluxShell als Plugin für die sQLshell

11.02.2024

Ich habe in der Vergangenheit bereits darüber berichtet, wie ich Komponenten, die ursprünglich für die sQLshell entwickelt wurden angepasst habe, um ein Frontend für die Zeitreihendatenbank Influx zu schaffen.

Alle Artikel rss Wochenübersicht Monatsübersicht Github Repositories Gitlab Repositories Mastodon Über mich home xmpp


Vor 5 Jahren hier im Blog

  • Mandelbrot-Sets mittels Shadern berechnen

    17.05.2019

    Nachdem ich in den letzten verregneten Tagen auf Youtube in den Videos von Numberphile versunken bin, hat mich eines davon angestachelt, mich selbst mit dem Mandelbrotset zu beschäftigen. Als ich dann noch Code fand, der behauptete, das auf einer Graphikkarte mittels Shadern berechnen zu können, war es um mich geschehen...

    Weiterlesen...

Neueste Artikel

  • Erste Vor-Version eines Gis-Plugin für die sQLshell

    Wie bereits in einem früheren Artikel erwähnt plane ich, demnächst ein Plugin für die sQLshell anzubieten, das eine Visualisierung von Daten mit räumlichem Bezug im Stil eines Geoinformationssystems erlaubt.

    Weiterlesen...
  • bad-certificates Version 2.1.0

    Das bereits vorgestellte Projekt zur automatisierten Erzeugung von Zertifikaten mit allen möglichen Fehlern hat eine Erweiterung erfahren und verfügt über ein Partnerprojekt - beide sind nunmehr in der Version 2.1.0 freigegeben

    Weiterlesen...
  • SQLite als Geodatenbank

    Wie bereits in einem früheren Artikel beschrieben treibe ich derzeit Anstrengungen voran, die sQLshell attraktiver für Nutzer zu machen, die mit Geodatenbanken arbeiten.

    Weiterlesen...

Manche nennen es Blog, manche Web-Seite - ich schreibe hier hin und wieder über meine Erlebnisse, Rückschläge und Erleuchtungen bei meinen Hobbies.

Wer daran teilhaben und eventuell sogar davon profitieren möchte, muß damit leben, daß ich hin und wieder kleine Ausflüge in Bereiche mache, die nichts mit IT, Administration oder Softwareentwicklung zu tun haben.

Ich wünsche allen Lesern viel Spaß und hin und wieder einen kleinen AHA!-Effekt...

PS: Meine öffentlichen GitHub-Repositories findet man hier - meine öffentlichen GitLab-Repositories finden sich dagegen hier.