Windows X ist eine Frechheit

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10.04.2016

Oft liest man im Netz, wie man sich von der Datenkrake Windows X schützen kann. Manchmal liest man, dass Microsoft nur das macht, was alle anderen auch tun und die Frage, warum das bei Microsoft alle so aufregt und bei den Konkurrenten niemanden. Meine Sicht auf diese Dinge:

Ich habe ja bereits früher beschrieben, was ich von neuen Windows-Versionen halte. Jetzt sprechen alle (na gut: viele) davon, dass die alte Regel wieder gilt: eine Version (Windows 8) ist indiskutabel und die nächste dann das Nonplusultra. Hierbei möchte ich darauf hinweisen, dass auch eine Currywurst hervorragend schmeckt, wenn man eine Woche im Dschungel Innereien und Geschlechtsteile gegessen hat. Man sollte Windows X nicht gegen Windows 8 vergleichen, sondern objektive Kriterien für ein Betriebssystem anlegen.Die folgenden Gesichtspunkte stellen meine subjektive Sicht auf diese Dinge dar, aber jeder darf darüber nachdenken und überlegen, ob er sich nicht den einen oder anderen zu eigen machen möchte.

Das Betriebssystem ist meiner Ansicht nach dazu da, Anwendungen eine abstrakte Schnittstelle zur Hardware zu bieten. Alles andere wird von Anwendungen realisiert, die der Anwender installiert oder eben auch nicht - ganz nach seinen Vorlieben. Dass das geht - auch bei Windows - bewies Redmond mit der Edition für den Raspi oder auch der abgespecktesten Serverbetriebssystemversion - beide haben kein Frontend und können nur remote administriert werden.

Linux macht das richtig: Graphische Frontends sind dort nur eine Anwendung wie alle anderen auch - der Anwender kann sie austauschen und damit das Gerät an seine persönlichen Vorlieben oder exotische Anwendungsszenarien anpassen.

Das Betriebssystem stellt die Schnittstelle zur Hardware da - als solche bietet es Anwendungen die Möglichkeit auf Hardwarekomponenten zuzugreifen. Die Netzwerkschnittstelle ist eine Hardwarekomponente unter vielen. Das Funktionieren eines Betriebssystems kann und darf nicht davon abhängig gemacht werden, dass die Netzwerkschnittstelle aktiv ist. Es existieren Anwendungsszenarien, in denen es verboten ist, eine physische Netzwerkschnittstelle im Rechner zu haben - speziell sicherheitskritische Anwendungen fallen unter diese Szenarien. Wenn ein Betriebssystem die immerwährende und ständige Vernetzung fordert, ist das meiner Ansicht nach eine unzumutbare Einengung. Und Windows 10 möchte ja, dass der Nutzer sich mit einem Microsoft-Konto verbindet - das existiert aber nur in der Cloud. Es lassen sich noch so viel mehr Szenarien finden, in denen Netzwerkanbindung nicht selbstverständlich ist: Als Außendienstler beim Kunden wird es nicht selbstverständlich sein, dass der Kunde mich in sein Netzwerk lässt. In vielen Gebieten Deutschlands ist die Versorgung mit Breitband-Internet immer noch nicht gegeben.

Durch die Tatsache, dass sich die Mobilfunkbetreiber immer noch dagegen sperren, echte Flatrates einzuführen, hat man das Problem, dass das Betriebssystem mittels ungefragter Kommunikation mit dem Mutterschiff mein kostbares Datenvolumen aufbraucht und ich nicht steuern kann, wofür ich Geld bezahle.

Microsoft stellt sich ja vor, dass das Betriebssystem ein Abo-Modell wird, das heißt, man bezahlt immer und ständig für etwas, das vom Hersteller ungefragt in seinem Verhalten modifiziert wird. Durch die oben beschriebenen Tatsachen bezahle ich zweimal nur dafür, dass das Betriebssystem bootet: einmal fürs Abo und dann noch für meinen mobilfunkvertrag mit zubuchbarer Internetoption? Nein Danke!

Oben wurde es schon einmal kurz angesprochen: Die Tatsache, dass man ein Microsoft-Konto einrichten muss, um sich an seinem eigenen Rechner überhaupt anmelden zu können, ist eine Frechheit sondersgleichen: Nochmal sei betont: Das Betriebssystem sollte eine Möglichkeit zur Netzwerkkommunikation anbieten, die die installierten Anwendungen einfach nutzen können. Aber es darf doch wohl nicht angehen, dass die Netzwerkverbindung zwingende Voraussetzung dafür ist, mit dem Gerät beginnen zu könen, zu arbeiten? Ich weiß, es gibt Howtos, die beschreiben, wie man Windows X als lokaler Nutzer in Betrieb nimmt, aber genau das regt mich auf: Sachen, die grundsätzlich funktionieren, werden durch Microsoft so versteckt, dass nur Nerds sie mit Anleitung finden können!

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