Alte Rechner zukunftsfähig (?)

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01.05.2019

Ich mache immer wieder gerne Experimente mit Terminalsessions - meistens wegen der zentral möglichen Administration. Nunhabe ich das Thema von neuem angepackt: wegen einem alten(sehr alten) Laptop, der bei mir schon so lange im Schrank lag, dass sogar die BIOS-Batterie inzwischen leer war...

Ich hatte auf diesem Rechner damals Bodhi-Linux 4.5 installiert, da das der einzige Ubunut-Flavour war, der sich auf diesem alten Prozessor noch booten ließ (Stichwort: PAE).

Als sich mein Urlaub dem Ende zuneigte, entdeckte ich ihn wieder - und eine schnelle Recherche zeigte, dass man ihn ein wenig auffrischen könnte: Bodhi Linux 5 steht zur Verfügung, das auf der letzten LTS Variante von Ubuntu - Bionic Beaver (18.04) - aufbaut.

Leider kann dieser Rechner noch nicht einmal von einem USB-Medium booten - und da Bodhi keinen Upgradepfad anbietet und man daher die Version 5 frisch installieren muss, musste ich wieder einmal einen DVD-Rohling investieren - das ISO ist größer als 700 MB.

Ich stellte schnell fest, dass die Installation von Bodhi 5 (für mich) nicht allzu einfach und definitiv kein Selbstläufer war: Diverse Probleme ließen sich erst nach ausführlichen Recherchen ausräumen - so etwa die Konfiguration der Tastaturbelegung unter anderem über /etc/default/keyboard.

Außerdem stand direkt nach dem ersten Booten der Netzwerkmanager, bzw. sein Gadget (nm-applet) nicht zur Verfügung - das renkte sich aber ab dem zweiten Boot von selbst ein.

Lustigerweise konnte ich auch keine Software installieren - egal, was ich probierte, keines der Pakete wurde gefunden. Die Lösung dafür war, dass ich erst apt-get update ausführen musste - obwohl ich bei der Installation den Haken bei "Updates laden und installieren" gemacht hatte.

Der eigentliche Grund für die Idee, den alten Rechner wieder aufzubauen war der, dass ich in meiner Schatzkiste einen USB-Bluetooth- und einen USB-WLAN-Adapter liegen hatte und wusste, dass der Laptop nur langsames WLAN beherrschte. Irgendwie hatte ich gehofft, dass ich mit diesem Adapter die mittels iperf gemessene Geschwindigkeit weiter hochdrücken könnte. Wie sich herausstellte, war das ein Irrtum - der USB-Adapter funktionierte zwar genauso wie am Raspi out-of-the-Box, der Durchsatz war aber exakt der des eingebauten Adapters.

Das brachte mich auf eine Idee: Ich hatte schon früher versucht, mittels IntelliJ Idea, für Python ist das PyCharm. Beides sind keine Leichtgewichte - auf einem Rechner mit einem KErn, einem GB RAM und maximal einem GHz Taktfrequenz sind beide nicht bedienbar. Alternative eins wäre, sich in eine weitere "IDE" einzuarbeiten - aber wer richtige IDEs kennt, wird sich (meiner subjektiven Meinung nach) mit Atom schwer tun - auch wenn man so wie ich der Philosophie "Fehlt Dir was? Programmier Dirs doch!" anhängt. Außerdem ist electron aus Sicherheits- und Bugfreiheitsperspektive gerade nicht so gut beleumundet.

Daher staubte ich also meine XPRA-Skripte wieder einmal ab und ging ans Testen.

Wer beschreibt mein Erstaunen als ich sah, dass ich mit WLAN und einem 1-GHz-Rechner hervorragend in der Lage war, Idea flüssig zu bedienen? Das ist wirklich einmal Repurposing alter Hardware at its best! Wenn man von einer Netzwerkinfrastruktur von 1GBit/s ausgeht (der gemessene Durchsatz des WLAN betrug 20MBit/s) dann könnte man bei einem entsprechend potenten Server 50 Arbeitsplätze für Entwickler einrichten!

Neben den vielen Vorteilen von XPRA über die ich an anderer Stelle bereits berichtet habe kommt hier noch dazu, dass man keine Laptops mehr braucht - man löst sich einfach von der Sitzung und kann zu einem Kollegen laufen mit dem man ein Thema diskutieren möchte und ruft dort die Sitzung einfach wieder auf.

Einige Themen habe ich dabei natürlich außer acht gelassen - etwa die Weiterleitung von Sound,... Das müsste natürlich alles noch genauer untersucht werden, um die Möglichkeiten eines solchen Setups genau und verwertbar aufzuzeigen.

Artikel, die hierher verlinken

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Manche nennen es Blog, manche Web-Seite - ich schreibe hier hin und wieder über meine Erlebnisse, Rückschläge und Erleuchtungen bei meinen Hobbies.

Wer daran teilhaben und eventuell sogar davon profitieren möchte, muß damit leben, daß ich hin und wieder kleine Ausflüge in Bereiche mache, die nichts mit IT, Administration oder Softwareentwicklung zu tun haben.

Ich wünsche allen Lesern viel Spaß und hin und wieder einen kleinen AHA!-Effekt...

PS: Meine öffentlichen GitHub-Repositories findet man hier - meine öffentlichen GitLab-Repositories finden sich dagegen hier.